09.04.2020

Event

Alien – Homeoffice-Kulturtipp

von Mark Kammerbauer

Homeoffice-Kulturtipp 1: Film/Fernsehen (Illustration: Juri Agostinelli)


Paranoide Elemente

Eine globale Pandemie ist Ihnen nicht gruslig genug? Dann versuchen Sie’s mal mit Alien: Der Science Fiction-Klassiker dreht sich um einen parasitären Erreger, der die Mannschaft des Raumschiffs Nostromo infiziert. Besonders spannend: das Set-Design. 


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Homeoffice-Kulturtipp 1: Film/Fernsehen (Illustration: Juri Agostinelli)

Abgeschlossene Räume, Infektionen durch unbekannte parasitäre Erreger, biomechanische Albtraumlandschaften und eine rotgestreifte Katze: Nie war der Science Fiction-Film paranoider, und im Weltraum kann einen sowieso niemand schreien hören. “Alien” ist ein grandioser, unerreichter Film, dessen Alleinstellung durch zahlreiche nachfolgende Variationen zum Thema nur unterstrichen wird.

Demonstrierte Ridley Scotts “Prometheus” bereits einen zwiespältigen Umgang mit dem epischen, techno-erotischen Horrordesign des unheimlichen H.R. Giger – dem wohl grössten zeitgenössischen Künstler, den die Schweiz hervorgebracht hat – so war “Alien: Covenant” der krönende Misserfolg einer Serie von Filmen, die äusserst erfolgreich mit “Alien” begann.

Ebenso wie bei “Blade Runner” findet bei “Alien” eine stilistische Verdichtung statt. Der Film verweist auf Mario Bavas low-budget Meisterwerk “Planet of the Vampires” ebenso wie auf die Geschichten um das Weltraummonster “Coeurl” des Altmeisters der goldenen Ära der Science Fiction, A.E. Van Vogt. Die Designs wurden von den damaligen Star-Illustratoren der SF, Chris Foss, Moebius und Giger entwickelt.

Das paranoide Element entstammt John Carpenters Filmperle “Dark Star”, und es war deren Setdesigner (und Darsteller) Dan O’Bannon, der diesen B-Movie-Aspekt in “Alien” einbrachte. O’Bannon und Giger trafen sich bei den Vorarbeiten zum legendenumrankten “Dune” von Alejandro Jodorowski, einem der verrücktesten und leider unvollendeten Projekte der Filmgeschichte.

Die Katze überlebt

Das Setdesign bei “Alien” umfasst im wesentlichen die Interieurs von Raumschiffen: die Nostromo, das Alienschiff, sowie zwei Beiboote der Nostromo. Diese abgeschlossenen, räumlich begrenzten Sets hatten eine wirtschaftliche Dimension, denn ihre Grösse hing vom finanziellen Aufwand ab; Hollywood-Filme sind bekanntermassen kommerzielle Unterfangen.

Wenn es jedoch eine sozialräumliche Dialektik des Terrors im Film gibt, dann bei “Alien”: Das Filmset ist eine abgeschlossene Welt, innerhalb derer Weltraummonster und Menschen (sowie ein grandioser Ian Holm als Androide) sich gegenseitig verfolgen und auf katastrophale Weise miteinander kollidieren. Der “ökonomisch-paranoide” Raum, den das Interieur des Raumschiffs Nostromo aufspannt, hatte nicht zuletzt auf die Performance der Schauspieler einen grossen Einfluss; ein Faktor, der sich auch in der hohen darstellerischen Qualität niederschlägt.

Ach, sie möchten wissen, worum es in dem Film geht? Nun, das ist schnell gesagt. Die Mannschaft eines Raumschiffs stösst auf ein Notsignal, findet den Sender und gleichzeitig einen fremden Organismus, der ein Crewmitglied befällt. Schnell ist man einem Weltraumschädling ausgesetzt, der sich buchstäblich als Raubtier entpuppt. Wer wohl überleben wird? Die Katze Jonesy, ist doch klar. (Pfote zum “High Five” erhoben.) Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. DVD-Player oder Streamingdienst einschalten, Bier, Chips und Kuscheldecke bereitstellen und gruselige Unterhaltung!

Hier geht’s zum letzten Homeoffice-Kulturtipp: Online-Kunst.

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