14.07.2025

Architektur

AHI Architekturpreis 2025 – Europas Baukultur als Spiegel der Gegenwart

Kultur
Die Gewinnerprojekte des AHI Architekturpreis 2025 zeigen Europas innovativen Umgang mit Baukultur, Stadtplanung und architektonischem Erbe. Foto: Architectural Heritage Intervention
Die Gewinnerprojekte des AHI Architekturpreis 2025 zeigen Europas innovativen Umgang mit Baukultur, Stadtplanung und architektonischem Erbe. Foto: Architectural Heritage Intervention

Der AHI Architekturpreis 2025 positioniert sich erneut als wichtiger europäischer Gradmesser für Qualität, Innovation und Verantwortung im Umgang mit gebautem Erbe. In einer Zeit zunehmender ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen zeigt der Preis, wie die Transformation bestehender Architektur zu einem strategischen Instrument der Raumproduktion wird – und warum Baukultur im 21. Jahrhundert weit mehr ist als nur ästhetische oder historische Pflege.

Mit dem Fokus auf Interventionen im historischen Bestand, öffentlichen Stadträumen, Planungsstrategien und kultureller Vermittlung bietet der AHI Architekturpreis 2025 ein Panorama an Positionen, das die europäische Architekturpraxis zwischen Bewahrung, Umbau und öffentlichem Mehrwert verortet. Die ausgezeichneten Projekte aus Belgien, Spanien, Griechenland und Italien verdeutlichen exemplarisch, wie sich regionale Identität, baukulturelles Erbe und zeitgenössische Anforderungen zu zukunftsorientierten Entwürfen verbinden lassen.


Architektur im Bestand als Ausdruck gesellschaftlicher Relevanz

Der AHI Architekturpreis 2025 wurde im Juni in Barcelona vergeben – traditionell am Ort seiner Gründung. Bereits seit 2011 versteht sich die Initiative als europäische Plattform zur Förderung architektonischer Qualität im Umgang mit historischem Kontext. Was als katalanisches Projekt begann, hat sich mittlerweile zu einem kontinentweiten Forum für Diskussion und Best Practice etabliert.

In der aktuellen Ausgabe wurden insgesamt 238 Projekte aus 24 Ländern eingereicht. Sie dokumentieren eine disziplinübergreifende Auseinandersetzung mit dem Weiterbauen am Bestand: nicht nur auf materieller, sondern auch auf sozialer, kultureller und planerischer Ebene. Der AHI Architekturpreis 2025 würdigt dabei nicht nur spektakuläre Sanierungen, sondern auch subtile Umdeutungen, langfristige Entwicklungsstrategien und Formate kultureller Vermittlung.

Auffällig ist die große Rolle öffentlicher Auftraggeber. Nahezu alle prämierten Projekte wurden durch Städte, Regionen oder staatliche Institutionen initiiert. Das verdeutlicht die wachsende Verantwortung der öffentlichen Hand in Bezug auf Erhalt, Aktivierung und Neudeutung von Baukultur.


Ausgezeichnete Projekte: Vielfalt als Prinzip

Kategorie „Built Heritage“: Transformation in Antwerpen

In der Kategorie Built Heritage wurde eine Intervention an einem mittelalterlichen Gebäudeensemble im belgischen Antwerpen ausgezeichnet. Das Projekt überzeugt durch seine klare Haltung zur historischen Substanz und durch die architektonische Qualität der neuen Elemente. Ziel war es, die Geschichte nicht museal zu konservieren, sondern in einen aktiven, öffentlich zugänglichen Ort zu überführen. Der historische Baukörper wurde präzise restauriert, während ein neuer Baukörper als selbstbewusste, aber respektvolle Ergänzung fungiert. Der AHI Architekturpreis 2025 würdigt hier nicht nur technische Kompetenz, sondern insbesondere auch konzeptionelle Klarheit.

Kategorie „Exterior Spaces“: Stadtraum als sozialer Resonanzkörper

In der Kategorie Exterior Spaces wurde ein öffentlicher Platz in der spanischen Stadt Olot neu interpretiert. Der Entwurf basiert auf einem subtilen Verständnis der vorhandenen Topografie und historischen Struktur. Ziel der Intervention war nicht die spektakuläre Neugestaltung, sondern die stille Wiederherstellung eines Ortes für das städtische Kollektiv. Die Gestaltung schafft Räume für Begegnung, Spiel und kontemplative Nutzung – ohne sich dem historischen Gewicht des Ortes zu entziehen. Im Sinne des AHI Architekturpreis 2025 zeigt das Projekt exemplarisch, wie zeitgenössische Gestaltung mit bestehender Geschichte in produktiven Dialog treten kann.

Kategorie „Urban Planning“: Zwischen Antike und Moderne

Die Auszeichnung in der Kategorie Urban Planning ging an ein Masterplan-Projekt für das antike Korinth in Griechenland. Es zielt auf eine integrative Verbindung archäologischer Stätte mit der heutigen Stadtstruktur. Die Planung berücksichtigt nicht nur konservatorische Aspekte, sondern versteht den Ort als aktiven Teil einer gegenwärtigen urbanen Landschaft. Der AHI Architekturpreis 2025 hebt damit hervor, dass nachhaltige Stadtentwicklung ohne kulturelle und historische Kontinuität nicht denkbar ist.

Kategorie „Dissemination“: Vermittlung als architektonische Praxis

In der Kategorie Dissemination wurde eine Publikation ausgezeichnet, die sich der dokumentarischen Aufarbeitung von Ruinen und Spuren historischer Architektur widmet. Durch die Verbindung von Kartografie, Fotografie und Text entsteht ein multimediales Werk, das sowohl Fachpublikum als auch interessierte Laien anspricht. Die Jury des AHI Architekturpreis 2025 würdigt damit die wachsende Bedeutung der Vermittlungsarbeit innerhalb der Architektur – als Brücke zwischen Fachwelt und Gesellschaft.

Kategorie „Built Heritage“
© Kim Zwarts
Kategorie „Built Heritage“
© Adrià Goula
Kategorie „Exterior Spaces“
© TPA / ASCSA Corinth Excavations
Kategorie „Urban Planning“
© SIC Arquitectura y Urbanismo
Kategorie „Dissemination“

Besondere Erwähnungen: Neue europäische Perspektiven

Neben den Hauptkategorien vergibt der AHI Architekturpreis 2025 zwei Sonderauszeichnungen. Die erste – im Rahmen der Initiative New European Bauhaus – ging an ein Projekt in Belgien, das eine ehemalige Industrieanlage in ein partizipatives Zentrum für Kreislaufwirtschaft und soziale Teilhabe überführt. Die zweite – eine Restoration Special Mention – ging nach Italien für die methodisch konsequente Restaurierung eines mittelalterlichen Glockenturms. Beide Projekte setzen neue Maßstäbe im Umgang mit bestehenden Strukturen: ökologisch, funktional und sozial.

Diese Sonderpreise machen deutlich, dass die Diskussion um Baukultur zunehmend auch Fragen der Teilhabe, Inklusion und Nachhaltigkeit einschließt. Der AHI Architekturpreis 2025 zeigt damit, dass Architektur im Bestand mehr ist als bloße Pflege – sie ist ein Werkzeug aktiver Gesellschaftsgestaltung.

New European Bauhaus Special Mention
© Stijn Bollaert
New European Bauhaus Special Mention
Restoration Special Mention
© Lorenzo Jurina
Restoration Special Mention

Der AHI Architekturpreis 2025 als europäisches Archiv des Weiterbauens

Ein besonderes Merkmal des AHI ist sein digitales Archiv, das mittlerweile mehr als 1400 Projekte aus über dreißig Ländern dokumentiert. Es fungiert nicht nur als Nachschlagewerk, sondern als lebendiger Wissensspeicher der europäischen Umbaukultur. Für Architektinnen, Denkmalpfleger, Stadtverwaltungen und Lehrende bietet das Archiv eine wertvolle Ressource für Referenz, Inspiration und internationale Vergleichbarkeit.

Der AHI Architekturpreis 2025 verleiht dieser Sammlung neue Impulse und trägt dazu bei, das Verständnis von Architektur als gesellschaftlich relevanter Praxis weiter zu schärfen. Dabei liegt der Fokus nicht auf spektakulären Großprojekten, sondern auf dem sorgsamen, intelligenten und langfristigen Umgang mit dem Bestehenden.


Baukultur als Zukunftsmodell

Der AHI Architekturpreis 2025 vermittelt ein klares Bild: Die Zukunft des Bauens liegt nicht im radikalen Neubau, sondern im kreativen Umgang mit dem Vorhandenen. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass historische Substanz kein Hindernis, sondern eine Ressource ist – für kulturelle Identität, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Innovation.

Ob Stadtplatz, Kulturbau, Masterplan oder Buchpublikation – sie alle vereint der Anspruch, Architektur als offene, integrierende Disziplin zu begreifen. Der Preis fungiert damit nicht nur als Auszeichnung, sondern als Impulsgeber, Archiv und europäische Stimme für baukulturelle Qualität.

In Zeiten von Ressourcenknappheit, Klimakrise und wachsender sozialer Fragmentierung bietet der AHI Architekturpreis 2025 überzeugende Antworten auf zentrale Fragen unserer gebauten Umwelt. Und erinnert uns daran, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist – sondern aktiver Bestandteil der Architektur von morgen.

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