Workshop, Interview: Zukunft der Arbeit

Wie arbeiten wir morgen? Und welches Raumprogramm brauchen wir dafür? Diesen Fragen geht der Baumeister in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen USM nach. Vorab befragten wir eine der Teilnehmerinnen, die Forscherin Imke Keicher (Antworten unten).

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In dem halbtägigen Workshop erarbeiten wir am 20. Oktober mit den Architekten Ulrich Königs und Aysin Ipekci Thesen zu zentralen Trends im Officebereich. Diese werden abends im Kölner „DOCK.ONE“ vorgestellt. Die Veranstaltung fügt sich damit ein in das Ausstellungskonzept von USM im Rahmen der Büromesse Orgatec. Inspiriert durch die Zusammenarbeit mit dem Gottlieb-Duttweiler-Institut, liefert USM Antworten auf die Frage, wie Arbeitswelten in der Zukunft gestaltet werden können. Für das Unternehmen stehen die Trends „ressourceneffizientes Wirtschaften“, „Bedürfnisbefriedigung mehrerer Generationen“ und „digitales Leben“ im Fokus.

Anmeldung unter: www.usm.com

Hier nun das Interview mit der Zukunftsforscherin Imke Keicher über die Veränderung unserer Arbeitswelt:

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Was ist für Sie die wichtigste Entwicklung in der neuen Arbeitswelt?

Mit Blick auf die nächsten 10 Jahre stehen die Unternehmen vor gewaltigen Herausforderung. Die Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle, Arbeitsweisen und Abläufe fundamental und stellt Unternehmen vor gewaltige Reskillingaufgaben. Der demographische Wandel fordert Generationen übergreifende Zusammenarbeit und grosse Offenheit voneinander zu lernen. Und der grosse Wettbewerb um die Nachwuchs-Talente macht Arbeitgeber-Attraktivität und Unternehmenskultur plötzlich zu einem strategischen Top-Thema. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müssen Unternehmen jetzt ein Umfeld schaffen, dass flexibel und innovationsfördernd gleichermassen ist. Da wird grosse räumliche Flexibilität gebraucht, um sich den schnell wandelnden Bedürfnissen anzupassen, die vor allem die starke Zunahme von Projektarbeit und agilen Arbeitsmodellen sowie den Übergang zu fluiden Organisationsstrukturen ausgelöst werden.

Wird das Arbeiten von zu Hause überschätzt?

Arbeiten von Zuhause wird immer eine Option bleiben, die Menschen hilft, die Balance zwischen Arbeite-und Familienleben zu managen. Aber es ist auch klar, dass Arbeit nicht ausschliesslich in virtuellen Räumen stattfindet. Das spontane Gespräch, der schnelle Austausch am Kaffeeautomaten wird noch lange ein wichtiges Element der Arbeitskultur bleiben. Ein Büro, das „Treffpunkt“ und Kommunikationszentrum ist, das optimale Räume und Technologie fürs gemeinsame Denken und Arbeiten bietet, ist ohne Frage über alle Altersgruppen hinweg ein wichtiges Element für Arbeitsplatzattraktivität und Kreativität. Wer das Büro tot sagt, verkennt das Grundbedürfnis der Menschen nach Zusammengehörigkeit und Austausch. Wer allerdings wie -Yahoo kürzlich- wieder die Officepflicht einführt, hat nicht verstanden, dass Mitarbeiter von morgen flexible Arrangements erwarten, die ihnen ermöglichen die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Arbeitsstil mit einzubringen.

Die Arbeit dringt immer mehr auch in die Privatsphäre. Eine problematische Entwicklung?

Ueber die Jahrhunderte hat Arbeit sich verändert und wir haben gelernt uns anzupassen, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Der fliessende Übergang zwischen Arbeit und Privatleben erfordert maximale Selbstorganisation, die Fähigkeit „Nein“ zu sagen und sich auch mal abzugrenzen. Das müssen viele Menschen jetzt lernen, sonst ist Selbstausbeutung vorprogrammiert.

Unternehmen der neuen Ökonomie bauen Firmenzentralen, die sich eher wegzuducken scheinen. Ist das das richtige Signal an die Mitarbeiter?

Ich bin eher geneigt, das als Gegentrend zu der Macht -demonstrierenden Firmen-Architektur der letzten Dekaden zu interpretieren. Hier steht im Vordergrund: sich architektonisch in eine Landschaft und in ein Ökosystem einpassen, Teil eines grösseren Netzwerkes sein und nicht Zentrum des Universums. Und das ist ein adäquates Signal für Mitarbeiter, denen Themen wie Verantwortung für die Gesellschaft, nachhaltiges Handeln und Integrität am Herzen liegen. Und diese Trend sehen wir deutlich nicht nur bei der Generation Y.

Bilder: USM Möbelbausysteme