Chipperfield Office Talk

Die Dezember-Ausgabe des Baumeisters wurde von David Chipperfield Architects Berlin gastkuratiert. In einem Office Talk auf dem Berliner Bürogelände fand jetzt noch einmal eine kritische Auseinandersetzung mit dem Heft statt, in der die darin aufgeworfenen Fragen lebhaft diskutiert wurden.

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Office Talk am 7. Dezember 2016 bei David Chipperfield Architects Berlin – Alexander Schwarz, Hannah Jonas, Stephan Trüby © Ute Zscharnt for David Chipperfield Architects

 

Berlin Mitte, 7. Dezember 2016, Mittwoch Abend: Office Talk im Showroom von David Chipperfield Architects in der Joachimstraße. Regelmäßig versammeln sich hier die Mitarbeiter zum Feierabend, um über aktuelle Themen informiert zu werden und die damit verbundenen Fragestellungen zu diskutieren.

An diesem Mittwoch erhielt der Office Talk allerdings ein ungewöhnliches Format: nicht architektonische Interna standen auf der Agenda, sondern ein Projekt, das in besonderer Weise die Öffentlichkeit erreicht: die aktuelle Ausgabe des Baumeisters, kuratiert von David Chipperfield Architects Berlin und dem Institut für Öffentliche Bauten der Universität Stuttgart, dem Lehrstuhl von Alexander Schwarz, Partner des Berliner Büros.

Auf der Suche nach der architektonischen Form
Die gastkuratierte Ausgabe galt der architektonischen Form. Wie nehmen wir sie wahr, wie verstehen wir sie und: was ist ihr eigenes Selbstverständnis? Gottfried Sempers Stoffwechseltheorie, veröffentlicht vor gut 150 Jahren, wurde zum Anlass genommen, um Stoff und Form auf den Grund zu gehen – ihre Herkunft zu untersuchen und gleichzeitig den Entwurfs- und Formfindungsprozess von David Chipperfield Architects zu reflektieren.

Man ging an diesem Abend den Fragen des Heftes nach. Einen einführenden Vortrag zur Semperschen Theorie hielt Professor Adrian von Buttlar von der TU Berlin, dessen erste Veröffentlichung Sempers Hauptwerk „Der Stil“ galt. Von Buttlar machte die darin beschriebene „Stoffwechseltheorie“ in einem dichten Vortrag den Zuhörern zugänglich und stellte Zusammenhänge zu heutigen Entwurfsmethoden dar.

Im Anschluss wurde die Aktualität der Semperschen Theorie im Rahmen einer Podiumsdiskussion aus verschiedenen Perspektiven erörtert. Stephan Trüby, Professor für Architektur und Kulturtheorie an der TU München, ist wie von Buttlar ein Autor der gastkuratierten Baumeister-Ausgabe und diskutierte mit Alexander Schwarz. Moderiert wurde das Gespräch von Hannah Jonas, verantwortlich für die Forschung am Stuttgarter Institut und ebenfalls eine Autorin der Ausgabe.

Das Entwerfen in Vergangenheit und Zukunft
Die Diskussions-Teilnehmer gingen den folgenden Fragen nach: Was können wir als entwerfende Architekten heute von der Architekturtheorie des 19. Jahrhunderts lernen? Ist Semper in seinen Bezügen auf die Architekturgeschichte ein typischer Vertreter des Historismus oder bereitet er in der Radikalität seines Textes die Moderne vor? Wie entwirft das Büro David Chipperfield Architects: auf Grundlage historischer Bezüge oder für eine Welt der Zukunft? Und zuletzt: Dauert die Postmoderne noch immer an?

Abschließend beantworten kann man diese Fragen nicht. Mit dem Publikum sowie beim anschließenden Umtrunk in der Kantine wurde deshalb lebhaft weiterdiskutiert und zwar nicht nur zwischen den Mitarbeitern, sondern auch mit externen Gäste wie etwa Matthias Böttger, dem künstlerischen Leiter des DAZ Berlin.

Im Januar wird das Gespräch weitergeführt. Neben Alexander Schwarz sprechen dann auch Klaus Jan Philipp, Leiter des Instituts für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart und Alexander Russ, verantwortlicher Baumeister-Redakteur der gastkuratierten Ausgabe.

Diese Podiumsdiskussion findet am 24. Januar 2017 an der Universität Stuttgart statt.

Ort: 7. OG, Keplerstraße 11, 70174 Stuttgart

Uhrzeit: 19.30 Uhr

Die Veranstaltung ist kostenlos. Im Anschluss gibt es einen Umtrunk mit weiterführender Diskussion.