31. Januar 2012 / Wolfgang Bachmann
5. Voll Bad
Man muss nicht zum Plumpsklo zurück und auch nicht daran erinnern, dass wir uns als Studenten bei einer garstigen Zimmerwirtin in der Küche waschen mussten. Das Badezimmer ist ein nützlicher Beitrag bei der kulturellen Höherentwicklung der Menschheit. So wie sich die Wohnfläche pro Einwohner in 60 Jahren statistisch verdreifacht hat, sind inzwischen aus den ehemaligen Nasszellen stattliche Wellness-Oasen geworden. Wenigstens in den Wohnzeitschriften. Da fächeln vor mondänen Wannen, Becken und raumhohen Spiegeln satte Palmen, stehen Liegen aus Teakholz, und über einem Berg himbeerfarbiger Flauschtücher sieht man durch halb geöffnete Sonnenlamellen auf eine malerische Bucht. Gut.
Aber was bieten unsere Bauträger wirklich? Da sie ihr erschachertes Grundstück weidlich ausnutzen wollen, wird eine Stadtvilla auf eine Tiefe von 18 Metern gebläht. Das gibt verkaufte Quadratmeter! In solche Höhlen findet aber kein Sonnenstrahl mehr freiwillig, also erfindet man jede Menge fensterlose Räume – breite Flure und Dielen, Schrankräume und ein, zwei Gästetoiletten mit einem Badezimmer in Garagengröße. Nix Rivierablick, chinesische Fliesen und ein lärmiger Lüfter gibt es in der Dunkelkammer. Die Sanitärobjekte sind nebeneinander gereiht wie auf einem Messestand. Obligatorisch: zwei Waschbecken. Aber nur wozu?
Will man seinem Partner zusehen, wie er sich abseift, rasiert oder einen Pickel ausdrückt? Ist ein Badezimmer nicht der letzte intime Raum, den man wohl präpariert auf dem Weg zur Liebsten verlässt? Aber vielleicht soll man diese Sanitäranlagen gar nicht zu zweit benutzen. Genau! Eine Designerin hat diese Beckenduos erfunden, weil sie nicht täglich in die Porzellanschüssel sehen wollte, in der ihr Göttergatte Zahncreme, Haare und abgeschnittene Fingernägel hinterlassen hat. Jetzt hat jeder seinen Trog für sich.
Getrennte Betten haben sich ja auch bewährt.


