01. Februar 2012 / Tanja Slasten
Architektonische Schmuckstücke
Ein gemeinsamer Freund brachte sie vor langer Zeit zusammen: den brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, bekannt für seine geschwungene Formensprache, und den Juwelier Hans Stern. Aus dem Kontakt wurde eine Generation später eine Kooperation: Skizzen Niemeyers dienten jetzt als Vorlage und Inspiration für eine neue Schmuckkollektion.
Hans Stern, 1922 im Ruhrgebiet geborenen, emigrierte während des Zweiten Weltkriegs nach Brasilien und eröffnete mit bescheidenen Mitteln sein erstes Edelsteingeschäft. 2007 verstarb der Firmengründer, sein Sohn Roberto übernahm als Präsident und Kreativdirektor die Leitung des weltweit vertretenen Unternehmens H.Stern. Zwischen ihm und Niemeyer kam es nun zur Zusammenarbeit. Niemeyer, der Meister der weichen, sinnlichen Linien, gab einige seiner Skizzen zum Kreieren einer neuen Schmuckkollektion frei. Daraus wurde Schmuck – schöner Schmuck, wie unsere Bilder zeigen.
Die Faszinati
on für die Schönheit der Natur mit ihren wellenförmigen sinnlichen Kurven und organische Konturen, vor allem in der Umgebung von Rio de Janeiro, teilen Roberto Stern und der brasilianische Stararchitekt. Die Leidenschaft für die fließende Linienführung war Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit zwischen dem Kreativdirektor und dem mittlerweile 104 Jahre alten Gegner der „geraden, harten und unflexiblen Linien“, wie er einmal sagte. Während Niemeyers Architektur vor allem in Form von Stahlbeton Realität wird, dienen die Zeichnungen aus seinem Skizzenbuch nun also als Grundlage für Kreationen aus Gold und Diamanten.

Insgesamt sechs Schmucklinien sind entstanden. Sie tragen so klangvolle Namen wie „Brasilia“, „Pampulha“, „Copan“, „Sketch“, „Curves“ oder „Flower“. Inspiriert sind sie durch Niemeyer-Klassiker wie die Kirche „Sao Francisco de Assis“ in Pampulha aus Niemeyers ersten Schaffensperiode oder das „Edificio Copan“, ein Wohnhaus für rund 5.000 Menschen in Sao Paulo. Mit Diamanten besetzte Ringe, Ohrringe und Armbänder aus Weißgold zeichnen das markantewellenförmige Dach der 1943 entstandenen Kirche nach.

Die geschwungene Fassade des Copan-Gebäudes von 1953 übertrugen Stern und seine Leute in ein aus Gelbgold bestehendes Armband und Ringe in schwungvollem Design. Die schlichte Skizze einer vierblättrigen Blume ist als Armband oder als verspielter Anhänger zu erstehen. Solch eine direkte Anlehnung an Niemeyers Entwürfen wie bei diesen Beispielen ist aber nicht bei allen Schmuckstücken zu finden. Oftmals sind es auch einfach die kurvenreichen sinnlichen Formen und Niemeyers schlichte aber ausdrucksstarke Linienführung, die H.Sterns Schmucklinie inspiriert.
Skizzen von Oscar Niemeyer: Brasilia architecture, Flower, Pampulha architecture, Copan Building
Schmuck von H.Stern: Brasilia (Armband), Flower (Anhänger), Pampulha (Ohrringe), Copan (Armband)


