16. November 2011 / Julia Schreiter
4 Ausstellungen: Bilderflut, Autowracks und verschiedene Blicke
Liebe Ausstellungsinteressenten, machen wir uns nichts vor: Die trübe Jahreszeit beginnt, der Himmel ist grau und wird es erfahrungsgemäß bis nach Ostern bleiben. Wieso also den Augen nicht etwas Schönes bieten? Hier sind vier Vorschläge:
„Robert Breer“
Über 60 Jahre Gesamtwerk zeigt die Ausstellung „Robert Breer“. Entsprechend vielfältig präsentiert sie sich. Neben Gemälden und Filmen werden auch so genannte Floats gezeigt – sich langsam durch den Raum bewegende Skulpturen.
Breers Karriere begann 1949 in Paris, wo er zunächst nach einer klaren abstrakten Malerei suchte. Drei Jahre später überführte er diese in ein neues – überraschendes – Medium: Sein erstes Daumenkino entstand. Die Daumenkinos zeigen im Durchlauf verschiedene Stadien einer Komposition. Der nächste Entwicklungsschritt führte zu den Filmen. Das Besondere hier: Jedes einzelne der 24 Bilder pro Sekunde unterscheidet sich vom vorhergehenden; so entsteht eine Bilderflut, die immer neue Seherfahrungen ermöglicht – wenn man ihr standhält.
Während der Ausstellungszeit wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten.
Zeitpunkt: 26.10. 2011 – 29.01. 2012
Veranstaltungsort: Museum Tinguely, Paul Sacher-Anlage 1, 4002 Basel
„Abgestellt – Autowracks in Island. Fotografien von Peter Buyer"
Weitaus weniger hektisch, allerdings auch melancholischer, geht es in der Ausstellung „Abgestellt – Autowracks in Island. Fotografien von Peter Buyer“ zu. Bleiben die Autos auf der Strecke liegen, werden sie ihrem traurigen Schicksal – dem Verfall – überlassen. Mit der Zeit gehen die Autoleichen eine Verbindung mit ihrer Umgebung ein, seien es Wiese, Straßenrand oder Strand. So entstehen rostige Skulpturen, die immer fragiler werden.
Zeitpunkt: 14.12 . 2011 – 29.01. 2012
Veranstaltungsort: Stadthaus Ulm (Saalfoyer, 1. OG), Münsterplatz 50, 89073 Ulm
„Du hast mich verzaubert mit einen Blick deiner Augen“
Ob Daumenkino oder abgewrackte Autos – ihre Wahrnehmung beginnt mit einem Blick. Aber kann man die Augen noch als „Fenster der Seele“ bezeichnen? Die Fotografin und Filmemacherin Herlinde Koelbl wird auf diese spannende Frage hoffentlich mit ihrer Videoinstallation am Mittleren Ring in München eine Antwort geben. Immerhin heißt es vielversprechend in der Ankündigung: „Wir sehen alles durch unsere Augen, und in den Augen ist wiederum alles sichtbar.“
Zeitpunkt: 09.11. 2011 – 15.03. 2012
Veranstaltungsort: Osram Art Gallery, Hellabrunner Straße 1, 81543 München
"Inside Out"
Die Augen schließen und sich inneren Bildern zu öffnen, so lautet der Appell von Hiroko Inoue.
„Was willst du? Wohin führt dich dein Weg? Wer wirst du sein?“ Um diese Fragen zu beantworten, lohnt ein Blick ins Innere. Die Japanerin konfrontierte Jugendliche aus verschiedenen Ländern mit diesen Überlegungen. Das Ergebnis: 17 großformatige Fotografien, die so angeordnet sind, dass sie den Betrachter umgeben. Sie zeigen die Befragten in einem Moment der Ruhe, mit geschlossenen Augen. Der Betrachter ist, in ihrer Mitte stehend, aufgefordert, es ihnen gleichzutun und nach Innen zu schauen.
Aufnahmen innerhalb und außerhalb von Psychiatrien ergänzen die Portraits. Die Grenzen zwischen Innen und Außen, Wahnsinn und Normalität verschwimmen. Die Botschaft der Künstlerin ist dementsprechend: Wünsche und Enttäuschungen sind bei uns allen die selben.
Zeitpunkt: 18.11. – 10.12. 2011
Ausstellungseröffnung: 17. November 2011, 19 Uhr
Veranstaltungsort: MUSA, Felderstraße 6 – 8 (neben dem Rathaus), 1010 Wien
Fotos: Colin Davison, BALTIC Centre for Contemporary Art, © Robert Breer, courtesy gb agency, Paris; Peter Buyer



