03. April 2012 / Wolfgang Bachmann

15. Wasserspiele

Drinnen Cover

Immer ein Erlebnis, die Toiletten in der Münchner Pinakothek der Moderne zu benutzen. Hier hängen vor einer raumhohen Spiegelwand zum Händewaschen silberne Schüsselchen. Da sich der Architekt hartnäckig weigert, irgendwelche Ablagen vorzusehen, ist die Benutzung eine artistische Leistung, weil man Katalog, Jacke oder Täschchen währenddessen zwischen die Beine klemmen muss. Das Wasser kommt forsch, unvermeidlich sich nass zu spritzen. Wenn die Herren aus der Tür kommen, glaubt man, sie hätten bei einem Wettpinkeln schlecht abgeschnitten. Bei den Damen weiß man nicht, was man denken soll.

Die Idee mit diesen Salatschüsseln ist vor allem in Hotels beliebt. Sie stehen dann im Zimmer auf einer Anrichte, während alle weiteren Sanitärangebote in einem Kabinett verborgen sind. Waschen, nein, Abspülen kann man sich damit nur die Fingerspitzen, am besten nimmt man ein Wattestäbchen, sonst sieht man aus, als komme man gerade aus der Pinakothek. Eine andere Spielart sind tellerflache Becken, da schwappt das Wasser sofort verschwenderisch über, wenn der Perlator verkalkt ist. Als Material ist alles denkbar: Holz, Glas, massiver Stein, Edelstahl.

Der Zulauf wird gerne inszeniert, es erinnert an Richard Wagner, wie das gewöhnliche Wasser – wagalaweia – perlt, rinnt, sprudelt, plätschert, quillt, strömt. Nein, alles falsch. Dafür gibt es noch keine Begriffe. Das Wasser schürzt sich muschelförmig und gleitet lautlos als kristalliner Fächer in das Lavoir – sofern man herausgefunden hat, wie die Armatur zu bedienen ist.

Nein, es gibt kein Zurück früher war nicht alles besser. Wir erinnern uns: Wenn Vater in der Küche, nachdem er einige Töpfe aus dem Spültrog gerückt hatte, sich das brikettgroße Stück Kernseife griff und das kalte Wasser über den verschwitzten Nacken schaufelte... Herrgott, da war man froh, dass man mit dem Eimer nicht mehr über den Hof laufen musste.

 
 
 
 
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